Einstige Ruder-Weltklasse gab sich in Burghausen ein Stelldichein zum 160. Jubiläum

Kategorien: Rudernveröffentlicht am: 8. September 2026
Ehemaligentreffen Bootshaus Burghauen

Leipzig/Burghausen. Riesen Andrang am Samstagnachmittag im Bootshaus Burghausen, wo die Leipziger Ruderer ein ganz besonderes Jubiläum feierten, denn mit der Gründung der RG Germania von 1866  wird in der Messestadt im Verein gerudert. Und das so erfolgreich wie selten woanders, denn in der Wasserstadt Leipzig wurde Weltklasse geprägt.
Zu diesem Jubiläum kamen viele der ehemaligen Asse ins Bootshaus Burghausen, das nach 1990 zu einem echten Schmuckstück am Elster-Saale-Kanal ausgebaut wurde und in dem der Landesstützpunkt zu Hause ist.

Am Samstag standen die Ehemaligen im Rampenlicht, Olympiasieger und Weltmeister gaben sich die Klinke in die Hand, viele der einstigen Ruderrecken freuten sich über ein Wiedersehen und einige von ihnen setzten sich gar ins Boot, um auf dem Elster-Saale-Kanal ein paar Meter zurückzulegen.

Hochkarätig besetzt der Zweier ohne Steuermann mit Hans-Peter Koppe und Uwe Heinke, sowie ein Vierer ohne Steuermann unter anderem mit den legendären Olympiasiegern aus dem DDR-Achter von 1976 Roland Kostuklski und Bernd Baumgart. Prominenz schaute am Ufer dem Treiben auf dem Wasser zu, unter anderem Andreas Decker oder Siegfried Brietzke, die beide 1976 gemeinsam mit Wolfgang Mager und Stefan Semmler im goldenen Vierer ohne Steuermann saßen. Decker, Brietzke und Semmler wiederholten den Olympiasieg 1980 in Moskau, diesmal mit Jürgen Thiele als viertem Mann im Boot. Für Siegfried Brietzke war es nach 1972 und 1976 die dritte olympische Goldmedaille, für Andreas Decker, der später die Sportschule auf dem Rabenberg leitete, das zweite Olympia-Gold.

Jens Doberschütz, der mit dem DDR-Achter Gold aus Moskau mitbrachte, wärmte mit seinen Weggefährten viele Geschichten aus der aktiven Zeit auf. Allein in Moskau gab es mit 13 (!) olympischen Goldmedaillen einen wahren Medaillenregen für Leipziger Ruderer und Ruderinnen.

Nicht zuletzt waren auch die erfolgreichen Frauen im Bootshaus dabei, wie die olympische Silbermedaillengewinnerin von 1976 Sabine Dähne, die später als Trainerin den Frauen-Doppelvierer mit der Leipzigerin Kristina Mundt 1988 und 1992 zum Olympiasieg führte, die auch im Organisationsbereich des Rudertreffens mitwirkte.
Gerlinde Doberschütz und Ute Stange gewannen ebenfalls olympisches Gold und hatten am vergangenen Samstag viel zu erzählen, ebenso wie die Olympiagoldmedaillengewinnerinnen Marita Sandig und Kersten Neisser.

Herzlich begrüßt wurde der einstige Trainer Dieter Kretzschmar (86) sowie die überaus rüstige ehemalige Cheftrainerin Herta Weissig, die in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag feierte.

Es wäre müßig, alle Erfolge von Leipziger Ruderern und Ruderinnen aufzuzählen. Es würde Seiten füllen, aber auch dokumentieren, welche Rudermacht Leipzig war, bis hin zu Annekatrin Thiele, die 2016 das vorerst letzte olympische Gold im Doppelvierer nach Leipzig holte und in Burghausen von Angelika Noack trainiert wurde, die 1976 gemeinsam mit Sabine Dähne die olympische Silbermedaille aus Montreal mitbrachte und 1980 in Moskau Gold gewann.

Insgesamt waren zu diesem Rudertreffen neun Olympiasiegerinnen und acht Olympiasieger im Bootshaus Burghausen und haben dem Olympiaball, der in Leipzig gleichzeitig stattfand, mächtig Konkurrenz gemacht.

Überragend an diesem Tag war, dass über 130 Ehemalige der Einladung gefolgt sind, darunter Ruderer, die schon in den 1960’er Jahren auf der legendären Henley Regatta erfolgreich die Klubfarben vertreten haben.

Ein großes Unterhaltungsprogramm brauchten die ehemaligen – und teils noch im Masters-Bereich aktiven Athleten und Athletinnen an diesem besonderen Tag nicht. Sie selbst waren der Mittelpunkt der Leipziger Ruderer-Feier zum 160. Jubiläum. Das Orgateam der Abteilung Rudern, welches diese Veranstaltung mit viel Liebe und Mühe organisiert hat, freute sich über die großartige Resonanz und das vielfältige, positive Feedback der Anwesenden, die aus allen Teilen Deutschlands und sogar über die Landesgrenzen hinweg angereist waren.

Eine solche Ansammlung von Olympiasiegern, Weltmeistern, Gewinnern internationaler Medaillen und  vielen ehemaligen Aktiven war für diesen Stützpunkt in dieser Form einmalig und soll auf Wunsch vieler Anwesenden auch wiederholt werden – aber nicht erst zum 170-jährigen.

Text und Fotos: Jörg Richter

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